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Beitrag zum Welt-Down-Syndrom-Tag

21.03.2015

Beitrag zum Welt-Down-Syndrom-Tag

Hans-Günther Schmitt ist 64 Jahre alt und hat Trisomie 21, allgemein als Down-Syndrom bekannt. Gerade feierte er sein 20-jähriges Jubiläum in der Lorscher Werkstatt der bhb. Stellt man ihm die Frage, ob ihn seine Behinderung in irgendeiner Weise einschränkt, hört man von ihm ein ganz klares „Nein, ich kann doch alles!“.

Viernheim. Dass er in der Tat seinen Alltag wunderbar meistert und zum Teil ein glücklicheres Leben führt als manch anderer, wird einem im Gespräch mit ihm schnell klar. Natürlich braucht er hier und da Unterstützung, aber wer braucht das nicht ab einem gewissen Alter? (...). Nicht nur durch seine Anstellung in der freien Wirtschaft, sondern auch durch seinen familiären Rückhalt in Viernheim, fühlte sich Herr Schmitt stets als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Sich ausgeschlossen zu fühlen nur aufgrund einer Behinderung ist für ihn auch heute noch nicht vorstellbar. Er war stets mittendrin im gesellschaftlichen Leben und fühlt sich in seiner Gemeinde gut aufgehoben. So ist er in seiner Heimat natürlich ein stadtbekanntes Gesicht, welches gerne überall reinschnuppert und gerne mit anpackt. (...). Seit 1994 arbeitet er nun schon in der Montagegruppe der bhb-Werkstätten – zunächst in Bensheim, dann in Lorsch, wo er auch heute noch jeden Tag mit seiner herzlichen und offenen Art erscheint. (...). Durch seinen unbändigen Wille hat er sich vor etwa einem Jahr sogar nochmal einer ganz neuen Herausforderung gestellt: Er begann einen Volkshochschulkurs in Mannheim an der Abendakademie, wo er nun mit 64 Jahren Lesen und Schreiben lernt. Stolz präsentiert er seinen Kollegen in der Werkstatt, was er dort alles beigebracht bekommt und heftet alles fein säuberlich in seinen dicken Ordner, den er extra für die Abendschule angelegt hat. Zuhause rumsitzen kommt für ihn nicht in Frage. Er hält sich lieber mit seinen Hobbies, Kursen und Ausflügen fit – körperlich und auch geistig.

Personen wie Hans-Günther Schmitt sind Beispiele dafür, dass man auch mit Trisomie 21 vom Recht auf ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben innerhalb der Gesellschaft Gebrauch machen kann. Das eigene berufliche und private Leben bewusst zu gestalten steht hierbei im Mittelpunkt. Herr Schmitt gehört darüber hinaus zur ersten Generation von Menschen mit Behinderung, die in Deutschland das Rentenalter erreicht. Durch die Euthanasie im Dritten Reich, wird die Gesellschaft erst jetzt mit Menschen mit Behinderung im Alter konfrontiert. Dass dies ganz neue Betreuungsaufgaben innerhalb der Behinderten- und der Seniorenhilfe birgt, ist auf vielen Ebenen noch nicht ausreichend erkannt. Neben der Beeinträchtigung treten im Alter eine Vielzahl von neuen Diagnosen auf. So kann es schnell geschehen, dass der Förderbedarf aufgrund der zusätzlichen, altersbedingten Beeinträchtigungen stark ansteigt. (...). Da nicht jeder seinen Wünschen und Interessen so eifrig nachgehen kann, wie Herr Schmitt es tut, müssen inklusive Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass dies für alle möglich ist – nicht nur für die sogenannten schwerst-mehrfach Normalen.

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Behindertenhilfe Bergstrasse
gemeinnützige GmbH

Darmstädter Straße 150

64625 Bensheim